Das BlattPrüfungswissen Marketing

Ein Blatt pro Kurstag, Vorder- und Rückseite. Nur das, was für die Prüfung sitzen muss – aus den Prüfungsunterlagen und den Tageszusammenfassungen. Zum Lesen am Bildschirm oder ausgedruckt (Cmd/Strg + P). Üben geht in der Lernwelt.

Tag 1 · Fr 11.09. · Einführung in das Marketing

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Marketing ist mehr als Werbung

Ein Unternehmen richtet alle Aktivitäten an den heutigen und künftigen Erfordernissen des Marktes aus. Der Kernsatz: Denken im Kopf des Kunden. Was Kettelbach anbietet, kostet, liefert und sagt, muss zusammenpassen.

KURSTAG1

1Was Marketing ist

Marketing bedeutet, alle Aktivitäten eines Unternehmens konsequent auf die gegenwärtigen und zukünftigen Erfordernisse der Märkte auszurichten.

Marketing ist marktorientierte Unternehmensführung – eine Haltung, die in allen Bereichen wirkt: freundlicher Kontakt, verständliches Angebot, pünktliche Lieferung, korrekte Rechnung. Und zugleich eine betriebliche Funktion: Eine Marketingabteilung plant und koordiniert Maßnahmen, kann die Marktorientierung aber nicht allein herstellen.

MarktorientierungEntscheidungen richten sich an Markt, Nachfrage und Wettbewerb aus
KundenorientierungBedürfnisse und Erwartungen der Kunden stehen im Mittelpunkt
weitere OrientierungenProblem-, Gesellschafts-, Umwelt- und Entwicklungsorientierung

Marketing ≠ Werbung. Werbung ist nur ein Instrument der Kommunikationspolitik.

2Verkäufermarkt und Käufermarkt

Verkäufermarkt Käufermarkt Nachfrage Angebot Nachfrage Angebot Engpass: Produktion Engpass: Absatz

Verkäufermarkt: Nachfrage übersteigt das Angebot, Anbieter bestimmen die Bedingungen. Käufermarkt: Angebot übersteigt die Nachfrage, Kunden vergleichen Preise, Leistung und Bewertungen – der Absatz wird zum Engpass.

Im Käufermarkt muss ein Unternehmen Kundenbedürfnisse verstehen, sich vom Wettbewerb unterscheiden und Service bieten. Deshalb braucht es Marketing.

3Marketing als Regelkreis

ZielsetzungWas soll erreicht werden? PlanungAuf welchem Weg? Realisationtatsächlich umsetzen KontrolleZiel erreicht? Methode: Mit welchen Verfahren und Arbeitsschritten wird vorgegangen?

Zielsetzung nennt den gewünschten Zustand. Planung legt den Weg fest. Realisation ist die Durchführung. Kontrolle prüft, ob das Ziel erreicht wurde.

4Marketingziele: quantitativ und qualitativ

quantitativ (ökonomisch)

  • in Zahlen messbar
  • Umsatz, Gewinn, Wachstum, Marktanteil, Kosten, Marktführerschaft

qualitativ (psychografisch)

  • Wahrnehmung und Einstellungen
  • Bekanntheit, Image, Vertrauen, Qualität, Zuverlässigkeit, soziale Verantwortung

SMART: spezifisch · messbar · akzeptiert · relevant · terminiert.

unvollständig„Wir wollen den Umsatz steigern.“
besser„Der Umsatz des Onlineshops soll bis zum 31.12.2028 von 8 auf 16 Prozent des Gesamtumsatzes steigen.“

Ein Ziel braucht Messgröße, Zeitraum und gewünschte Wirkung – auch qualitative Ziele sollen messbar gemacht werden.

5Wo Marketing überall stattfindet

Beschaffungsmarketingrichtet sich auf Lieferanten und BeschaffungsmärkteKettelbach: Technikpartner für den Roboter gewinnen
Internes Marketingrichtet sich auf Mitarbeitende und ZusammenarbeitService und Innendienst kennen den Nutzen des Geräts
Absatzmarketingrichtet sich auf Kunden und AbsatzmärkteTierhaushalte, Fachhandel, Onlineshop

Organisation: funktionsorientiert (Werbung, Verkauf, Marktforschung) oder objektorientiert (Produkte, Kundengruppen, Regionen); Mischformen: Produkt- oder Key-Account-Management. Außerdem: B2B/B2C; lokal bis global.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 1 (M01, M02, M03, M05, M06) · Tageszusammenfassung Tag 1Vorderseite

Das Blatt · Tag 1 · Rückseite

Anspruchsgruppen, Zusammenspiel, Prüfung

Die Prüfung fragt nicht „Was ist Marketing?“, sondern „Erläutern Sie, warum …“ und „Nennen Sie drei Anspruchsgruppen mit je einem Interesse“. Diese Seite trainiert das.

KURSTAG1

6Stakeholder und Shareholder

Stakeholder Share-holder Kunden · Mitarbeitende Lieferanten · Banken Staat · Gesellschaft Shareholder = nur Anteilseigner / Eigentümer

Stakeholder sind Personen, Gruppen oder Organisationen, die das Unternehmen beeinflussen oder von seinen Entscheidungen betroffen sind. Beim Roboter: Kunden interessiert die Leistung, Händler die Marge, Lieferanten die Abnahmemenge, Beschäftigte sichere Abläufe.

Alle Shareholder sind Stakeholder – aber nicht alle Stakeholder sind Shareholder.

7Marketing als Aufgabe des ganzen Unternehmens

Integriertes Marketing richtet nicht nur eine Abteilung, sondern alle Bereiche am Markt und am Kundennutzen aus.

EntwicklungTierhaar-Bürste, die im Alltag hält
Einkauf / ProduktionBauteile verfügbar, Qualität verlässlich
Buchhaltungkorrekte Rechnung, Skonto richtig verbucht
Vertrieb / ServiceErsatzteile lieferbar, Reklamation bearbeitet

Ein guter Roboter nützt wenig, wenn Ersatzteile fehlen, Rechnungen falsch sind oder Reklamationen liegen bleiben.

8Prüfungsfallen

  1. Marketing mit Werbung oder Verkauf gleichsetzen.
  2. Ein Ziel ohne Messgröße, Zeitraum oder gewünschte Wirkung als ausreichend ansehen.
  3. Stakeholder nur als Aktionäre verstehen.
  4. Zielsetzung, Planung und Realisation durcheinanderbringen.
  5. Quantitativ mit „wichtig“ und qualitativ mit „unwichtig“ verwechseln – beide zählen.
  6. Verkäufer- und Käufermarkt über das Preisniveau statt über Angebot und Nachfrage erklären.

9Daran erkenne ich den Aufgabentyp

  • „Nennen Sie zwei quantitative Marketingziele.“Stichworte genügen
  • „Erläutern Sie, warum Marketing im Käufermarkt wichtig ist.“ganze Sätze mit „weil“
  • „Ordnen Sie die Ziele quantitativ oder qualitativ zu.“Messgröße nennen
  • „Nennen Sie drei Anspruchsgruppen mit je einem Interesse.“Gruppe + Interesse
  • „Erläutern Sie an zwei Bereichen, wie sie zum Marketing beitragen.“Bereich + Kundenwirkung

Erläutern heißt: Zusammenhang in vollständigen Sätzen – „Im Käufermarkt ist das Angebot größer als die Nachfrage. Kunden können leicht vergleichen und wechseln. Deshalb muss sich ein Unternehmen aktiv an Kundenbedürfnissen orientieren und vom Wettbewerb unterscheiden.“

10Selbstcheck – ohne App, ohne Hilfe, in fünf Minuten

  • Ich definiere Marketing in einem klaren Satz.
  • Ich unterscheide Verkäufermarkt und Käufermarkt über Angebot, Nachfrage und Engpass.
  • Ich nenne zwei quantitative und zwei qualitative Marketingziele.
  • Ich erkläre den Unterschied zwischen Zielsetzung, Planung und Realisation.
  • Ich ordne je ein Beispiel dem Beschaffungs-, internen und Absatzmarketing zu.
  • Ich erkläre Stakeholder und Shareholder in einem Satz.

Tag 2 · Mo 14.09. · Marktforschung I

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Erst die Frage, dann die Daten

Marktforschung beschafft und bewertet Informationen für Entscheidungen auf einem Markt. Eine gute Untersuchung beginnt nicht mit einem Fragebogen, sondern mit der Entscheidung, die vorbereitet werden soll – und der konkreten Forschungsfrage dazu.

KURSTAG2

1Der Weg von der Entscheidung zur Information

EntscheidungWas wollen wir tun? Forschungsfragekonkret · relevant · untersuchbar Sekundärforschungvorhandene Daten prüfen Informationslückewas fehlt noch? Primärforschungneu erheben Entscheidung Befragung · Beobachtung · Experiment intern: Verkaufszahlen, Reklamationen · extern: Statistik, IHK, Verbände Praxisregel: Zuerst vorhandene Daten prüfen. Erst für die verbleibende Lücke eine Primärerhebung planen.
zu allgemein„Wie können wir erfolgreicher werden?“
besser„Welche drei Gründe halten potenzielle Kunden davon ab, unser Nachfüll-Abo abzuschließen?“

2Primär- und Sekundärforschung

Sekundär · vorhanden

  • bereits erhobene Daten nutzen
  • Vorteile: günstig, schnell, guter Überblick
  • Nachteile: veraltet, Methode unklar, zu ungenau für die eigene Frage

Primär · neu

  • neue Daten für die eigene Frage erheben
  • Vorteile: aktuell, passgenau
  • Nachteile: Zeit, Kosten; schlechte Planung verzerrt

„Neu erhoben“ = primär. „Bereits vorhanden“ = sekundär. Aktualität allein entscheidet nicht.

3Drei Methoden der Primärforschung

Befragungerfasst Aussagen: Meinungen, Motive, Wünsche – erklärt eher warum. Gefahr: unklare Fragen, soziale Erwünschtheit, Interviewereinfluss
Beobachtungerfasst sichtbares Verhalten: Kundenströme, Klickwege, Wahl am Regal – zeigt was, das Motiv bleibt offen
Experimentverändert gezielt eine Bedingung und misst die Wirkung: zwei Preise, zwei Produktseiten – andere Einflüsse kontrollieren

Beobachtetes Verhalten ist keine sichere Aussage über Motive. Datenschutz und Einwilligung sind zusätzlich zu prüfen.

4Marktanalyse · Marktbeobachtung · Marktprognose

MarktanalyseZeitpunkt · einmalig · Momentaufnahme MarktbeobachtungZeitraum · laufend · Entwicklung MarktprognoseZukunft · begründete Schätzung

Beispiel: heute Konkurrenzpreise erfassen (Analyse) · zwölf Monate Preisentwicklung verfolgen (Beobachtung) · Nachfrage für das nächste Halbjahr schätzen (Prognose). Analyse und Beobachtung sind die Grundlage der Prognose.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 2 (F01–F04, F06) · Tageszusammenfassung Tag 2Vorderseite

Das Blatt · Tag 2 · Rückseite

Quellen prüfen, Methode begründen

Ein Suchtreffer oder eine Antwort aus einem Sprachmodell ist noch kein Beweis. Und es gibt nicht die eine beste Methode – entscheidend ist, welche Information die Forschungsfrage braucht.

KURSTAG2

5Quellen-TÜV – sechs Prüfpunkte

AktualitätWann erhoben, welchen Zeitraum decken die Daten ab?
HerausgeberWer veröffentlicht, ist fachliche Kompetenz erkennbar?
MethodeWie erhoben, wer untersucht, wie groß die Stichprobe?
RelevanzBeantwortet die Quelle wirklich meine Frage?
EigeninteresseWill der Herausgeber informieren – oder verkaufen und beeinflussen?
GegenprüfungBestätigt eine unabhängige Quelle die zentrale Aussage?

Eine Quelle ist nur hilfreich, wenn sie zur Frage passt und nachvollziehbar geprüft wurde. Möglichst die Originalquelle prüfen.

6Gesichert · Vermutung · Offen

Gesichertsteht in einer nachvollziehbaren Quelle oder ist eine eigene Unternehmensentscheidung
Vermutungplausibel, aber bisher nicht belegt
Offenwird für die Entscheidung gebraucht, ist aber unbekannt

Bei einer erfundenen Traumfirma darfst du Angebote, Zielgruppen und Vertriebswege festlegen. Aussagen über tatsächliche Kundenwünsche, Marktgrößen oder Preisbereitschaft bleiben Vermutungen, bis sie untersucht wurden.

7Eine Methode begründet auswählen

  • Was denken oder wünschen Kunden? → Befragung
  • Was tun Kunden tatsächlich? → Beobachtung
  • Was ändert sich, wenn wir gezielt etwas ändern? → Experiment
  • Gibt es die Information schon? → zuerst Sekundärforschung

„Ich wähle eine telefonische Befragung ausgewählter Stammkunden, weil wir ihre persönlichen Gründe für seltenere Bestellungen erfahren müssen und Rückfragen möglich sein sollen.“

Eine vollständige Begründung verbindet Methode und Situation: Methode + weil + benötigte Information.

8Prüfungsfallen

  1. Daten sammeln, ohne eine Entscheidungsfrage festzulegen.
  2. Jede Internetquelle automatisch als aktuell oder passend ansehen.
  3. Beobachtetes Verhalten als sichere Aussage über Motive deuten.
  4. Jede Untersuchung mit Zahlen „Analyse“ nennen, auch wenn sie Zeitraum oder Zukunft betrifft.
  5. Sekundärdaten nur als „nicht frisch“ verstehen – entscheidend ist: für einen anderen Zweck erhoben.
  6. Fünf Gespräche mit Freunden als Beleg für eine bundesweite Zielgruppe nehmen.

9Daran erkenne ich den Aufgabentyp

  • „Nennen Sie drei Methoden der Primärforschung.“Stichworte
  • „Unterscheiden Sie Primär- und Sekundärforschung.“Gegenüberstellung
  • „Begründen Sie die Wahl der Methode.“Auswahl + situationsbezogenes Warum
  • „Beurteilen Sie, ob … ausreicht.“abwägen + Urteil
  • „Ordnen Sie zu: Analyse, Beobachtung, Prognose.“Zeitpunkt · Zeitraum · Zukunft

10Selbstcheck – ohne App, ohne Hilfe, in fünf Minuten

  • Ich nenne drei Methoden der Primärforschung und sage, welche Information jede liefert.
  • Ich unterscheide Primär- und Sekundärforschung mit je einem Vor- und Nachteil.
  • Ich erkläre den Unterschied zwischen Marktanalyse und Marktbeobachtung.
  • Ich begründe, warum vor einer eigenen Befragung vorhandene Daten geprüft werden.
  • Ich prüfe eine Quelle mit den sechs Prüfpunkten.
  • Ich formuliere eine Forschungsfrage, die konkret, entscheidungsrelevant und untersuchbar ist.

Tag 3 · Di 15.09. · Marktforschung II

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Fragen, die man auswerten kann

Kettelbach will wissen, warum Fachhändler seltener bestellen. Erst breit, dann tief: eine schriftliche Befragung aller 290 Händler zählt die Gründe, zehn bis fünfzehn Interviews erklären die Motive. Jede Frage hängt an einer Kette – fehlt das letzte Glied, kostet sie nur Rücklauf.

KURSTAG3

1Drei Ebenen, die verwechselt werden

ErhebungsartPrimär- oder Sekundärforschung ErhebungsmethodeBefragung · Beobachtung · Experiment Befragungsformschriftlich · telefonisch · mündlich

Eine Befragung ist immer eine Methode der Primärforschung – und hat zusätzlich eine Form.

2Die drei Befragungsformen

schriftlich+ Bedenkzeit, große Reichweite, kein Interviewereinfluss, günstig · geringe Rücklaufquote, Missverständnisse bleiben unentdeckt, Beeinflussung durch Dritte
telefonisch+ schnell, günstiger als mündlich, Fragen erklärbar · nur Erreichbare, unkonzentrierte Antworten, Interviewereinfluss
mündlich+ hohe Antwortquote, Motive vertiefbar, keine Dritten · hohe Kosten, Interviewereinfluss, Hemmungen bei heiklen Themen

Schritt 1 fragt „wie viele“ (schriftlich, alle), Schritt 2 fragt „warum“ (Interview, auffällige Fälle). Das ist keine Dopplung.

3Der Fragebogen – die Kette, an der jede Frage hängt

InformationsbedarfWelche Entscheidung braucht welche Angabe?
Frageeindeutig, ein Sachverhalt, verständlich
Antwortformatgeschlossen · Skala · offen
Auswertungzählbar, vergleichbar
EntscheidungDie Antwort ändert etwas – sonst kann die Frage entfallen.

Aufbau: Kopf (Absender, Zweck, Dauer, Anonymität, Rücksendetermin) → leichte Einstiegsfrage → Hauptteil vom Allgemeinen zum Besonderen → heikle Fragen spät → statistischer Teil am Ende → Schluss mit offener Frage und Dank.

Pretest: probeweise mit wenigen Personen – Verständlichkeit, Vollständigkeit der Antworten, Dauer, Reihenfolge, Technik. Erst korrigieren, dann breit einsetzen.

geschlossenvorgegebene Kategorien; schnell auswertbar; nur, woran der Ersteller gedacht hat – „Sonstiges“ nicht vergessen
Skalenfrageabgestufte Bewertung, beide Pole benannt; zeigt Ausprägung, Mittelwerte möglich; unbeschriftete Skalen sind wertlos
offenfreie Antwort; neue Hinweise; aufwendig, nur mit engem Rahmen

Standardisiert heißt: alle bekommen denselben Wortlaut in derselben Reihenfolge. Ein technisch sauberes Word-Formular macht eine schlechte Frage nicht besser.

4Die acht typischen Fragefehler

Zwei Sachverhalte in einer FrageDoppelfrage
„Finden Sie nicht auch …“Suggestivfrage
Pole nicht benannt, 1 = gut oder schlecht?Unklare Skala
Kein Feld „Sonstiges“Unvollständige Kategorien
Die Frage setzt voraus, was erst zu prüfen wäreUnterstellung
Der Befragte legt etwas anderes hineinUnverständlicher Fachbegriff
Antworten nicht zählbarZu offene Frage
Die Antwort ändert keine EntscheidungFehlender Entscheidungsbezug
Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 2 (F03, F06, F07, F08) · Tageszusammenfassung Tag 3Vorderseite

Das Blatt · Tag 3 · Rückseite

Rechnen, vergleichen, vorsichtig deuten

Kundendaten werden erst zu Entscheidungen, wenn Zahlen vergleichbar sind. Drei Rechenwege, ein Dreischritt – und ein Verbot: keine Ursache behaupten, die nicht belegt ist.

KURSTAG3

5Das muss ich rechnen

  • Rücklaufquote = verwertbare Rückläufe ÷ versendete Bögen × 100
  • =87 ÷ 290 × 10030,0 %
  • relative Häufigkeit = Anzahl ÷ gültige Fälle × 100
  • =verbliebene Fachhändler 290 ÷ 640 × 10045,3 %
  • Veränderungsrate = (neu − alt) ÷ alt × 100
  • =Fachgeschäfte (290 − 640) ÷ 640 × 100−54,7 %

Der eigentliche Befund: 9 Handelsketten bringen 45 % des Umsatzes (740.000 € je Kunde), 290 Fachhändler 25 % (12.759 € je Kunde) – Abhängigkeit von wenigen Großkunden, mit Zahlen belegt.

6Der Dreischritt jeder Auswertung

Zahl640 belieferte Fachgeschäfte 2015, 290 heute
VergleichRückgang um 350 Betriebe bzw. 54,7 %
vorsichtige DeutungDie Bindung des Fachhandels hat deutlich abgenommen.

Nicht zulässig: „Der Onlineshop hat 350 Händler vertrieben.“ Der Rückgang beginnt 2015, der Shop startete 2021 – es fehlt jeder Ursachennachweis.

7Quellen-TÜV in der Anwendung

Ein Wettbewerber wirbt mit 98 % Lieferfähigkeit, Kettelbach weist 91 % ab Lager aus. Die 98 % stammen vom Anbieter selbst (Eigeninteresse), ohne Zeitraum, Definition und Methode. Ob „lieferfähig“ dasselbe meint – ab Lager, ab Werk, inklusive Nachlieferung – ist unbekannt.

Solange Definitionen nicht vereinheitlicht sind, ist ein Vergleich nicht zulässig. Ein sauberer Vergleich benennt auch die Datenlücke.

8Marktposition in vier Sätzen

1 Teilmarkt und ZielgruppeWo und für wen?
2 Wettbewerberdirekt: dasselbe Problem ähnlich gelöst · indirekt: dasselbe Bedürfnis anders
3 Stärken und Schwächenmit Daten belegt
4 Konsequenzbegründetes Handlungsfeld, keine Alleinursache

„Kettelbach ist im deutschen Markt für Haushaltshelfer ein mittelgroßer Anbieter mit 14,8 Mio. € Umsatz und 412 Artikeln. Stärken: breites Sortiment, Reklamationsquote 1,4 %, langjährige Handelsbeziehungen. Schwächen: Rückgang der Fachgeschäfte um 54,7 % seit 2015, Werbebudget 1,25 % des Umsatzes, Onlineshop bei 8 %, Abhängigkeit von neun Großkunden mit 45 % des Umsatzes. Handlungsfelder: Lieferzuverlässigkeit, Verkaufsunterstützung des Fachhandels, Ausbau des Direktgeschäfts; eine Alleinursache ist nicht belegt.“

9Prüfungsfallen

  1. Rücklaufquote auf verwertbare statt auf versendete Bögen beziehen.
  2. Veränderungsrate mit dem neuen statt dem alten Wert als Bezugsgröße rechnen.
  3. Eine Entwicklung als bewiesene Ursache darstellen.
  4. Ein Word-Formular bauen, bevor die Fragen fachlich geprüft sind.
  5. Skalen ohne benannte Pole verwenden.

10Daran erkenne ich den Aufgabentyp

  • „Nennen Sie zwei Vor- und zwei Nachteile der schriftlichen Befragung.“Stichworte, je zwei
  • „Begründen Sie die Wahl der Befragungsform.“Form + Situation + weil
  • „Berechnen Sie den Rückgang absolut und relativ …“Zahl · Vergleich · Deutung
  • „Beurteilen Sie die Vergleichbarkeit.“Eigeninteresse, Definition, Methode

11Selbstcheck

  • Ich berechne Rücklaufquote, relative Häufigkeit und Veränderungsrate mit der richtigen Bezugsgröße.
  • Ich erkenne vier Fragefehler in einem fremden Fragebogen.
  • Ich formuliere eine Marktposition in vier Sätzen mit Zahlen.

Tag 4 · Mi 16.09. · Segmentierung und Strategie

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Vom Ziel zur Zielgruppe zur Strategie

Quantitativ oder qualitativ beschreibt die Art eines Ziels, strategisch oder operativ seine Reichweite – jedes Ziel hat beides. Aus dem Gesamtmarkt werden Segmente, aus einem Segment die Zielgruppe, aus Zielgruppe und Marktrolle die Positionierung.

KURSTAG4

1Ziele: Art und Reichweite

ART des Ziels quantitativqualitativ strategisch operativ Onlineshop-Anteilvon 8 auf 16 %bis 31.12.2028 Bekanntheitsgradin der DACH-Regionbis 2029 verdoppeln 1.500 Newsletter-Abonnentenbis 31.12.2026 Refill-Aktionswochenmit 40 Fachhändlernin Q4 2026 bekannt machen
strategischoperativ
Zeithorizontmehrere JahreWochen bis ein Jahr
GegenstandGesamtkonzeption, Handlungsrahmenkonkrete Maßnahmen: Aktion, Post, Messe
Risiko · Verantwortunghoch · Top-Managementgering · mittleres Management
LeitfrageWo stehen wir in fünf Jahren?Was tun wir im nächsten Quartal?

Gemeinsam: aus den Unternehmenszielen abgeleitet, SMART formuliert, mit Erfolgskontrolle. Operative Ziele müssen aus strategischen ableitbar sein.

2Marketing-Mix: die vier P

ProductProduktpolitik: Gestaltung, Qualität, Marke, Garantie, Sortiment · 412 Artikel, Refill-System in der Einführung
PricePreispolitik: Preis, Rabatte, Boni, Zahlungs- und Lieferbedingungen · Mengenrabatt ab 5.000 €, 2 % Skonto
PlaceDistributionspolitik: Absatzkanäle, Absatzmittler, Lager, Transport · Ketten 45 %, Fachhandel 25 %, Marktplätze 20 %, Shop 8 %, Export 2 %
PromotionKommunikationspolitik: Werbung, PR, Verkaufsförderung, Messen · Ambiente-Messe, Katalog, Instagram – kein Werbeplan

Place bedeutet Distribution – der Weg der Ware zum Kunden, nicht der Standort des Unternehmens. Die vier Maßnahmen müssen zueinander passen.

3Zielbeziehungen

HarmoniekomplementärLieferzuverlässigkeit stärkt Händlerbindung und Umsatz
Konfliktkonkurrierendhochwertiges Rezyklat gegen −10 % Herstellkosten
Neutralitätindifferentneues Logo und Gleitzeit in der Buchhaltung

4Segmentierung: vier Kriteriengruppen, belegt an Kettelbach

demografischAlter, Geschlecht, Einkommen, Beruf, HaushaltShop-Kundschaft 32–58 Jahre, 71 % weiblich, mittleres Einkommen
geografischLand, Region, Stadt/Land, WohnumfeldDACH, Export 2 %, häufiger Ein- und Zweifamilienhäuser
psychografischWerte, Einstellungen, Lebensstilökologische Grundhaltung: Rezyklat, kompostierbare Tabs
verhaltensbezogenKaufhäufigkeit, Bestellweg, MarkentreueBestellwert 34,20 €, Refill-Abo setzt Wiederkauf voraus

Ein Segment ist brauchbar, wenn es messbar · erreichbar · ausreichend groß · zeitlich stabil · verhaltensrelevant ist. Auch der B2B-Markt wird segmentiert: 9 Handelsketten tragen 45 % des Umsatzes, 290 Fachhändler 25 % – die Segmente verlangen unterschiedliche Instrumente (Konditionen bei den Ketten, Verkaufsunterstützung beim Fachhandel).

Segmentierung ist Analyse: Sie teilt den Markt auf. Zielgruppe ist Wahl: die Entscheidung, welches Segment bearbeitet wird.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 3 (S01, S02, S04, S05, M04) · Tageszusammenfassung Tag 4Vorderseite

Das Blatt · Tag 4 · Rückseite

Marktführer oder Marktfolger – und dann?

Die Marktrolle gilt nie allgemein. Sie braucht Produktmarkt, Region, Kennzahl und Vergleichswerte. Und sie entscheidet, ob man angreift oder sich unterscheidet.

KURSTAG4

5Vom Gesamtmarkt zur Positionierung

Gesamtmarktalle Haushalte in DACHAnalyse Segmentenach vier Kriteriengruppen ZielgruppeWahl: umweltbewusste Haushaltsführende Positionierung

„Für umweltbewusste Haushaltsführende in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Kettelbach die Marke für langlebige Haushaltshelfer aus recyceltem Material, die man nachfüllt statt ersetzt – anders als Handelsmarken, die nach der Nutzung im Müll landen.“

Positionierung = angestrebter Platz im Kopf der Zielgruppe gegenüber Alternativen: Zielgruppe + Nutzenversprechen + Abgrenzung. Ein Slogan ohne belegten Nutzen ist keine Positionierung.

6Marktführer- und Marktfolgerstrategie

Marktführer

  • größter Anteil, Kosten- oder Innovationsvorsprung
  • setzt Standards und Preisniveau, investiert in Marke
  • + Preissetzungsmacht, Skaleneffekte, Bekanntheit
  • hoher Mitteleinsatz, trägt Entwicklungsrisiken, Angriffsziel

Marktfolger

  • kleinerer Anbieter neben einem stärkeren
  • orientiert sich, vermeidet Preiskampf, differenziert oder besetzt Nischen
  • + geringeres Risiko, niedrigere Marketingkosten
  • abhängig, geringere Marge, schwer unterscheidbar

Eine Marktrolle gilt nie allgemein: Produktmarkt, Region, Kennzahl, Zeitraum und Vergleichswerte nennen.

7Wo Kettelbach steht – und was folgt

Marktfolger. Belege: 14,8 Mio. € Umsatz gegen Markenhersteller mit größerem Budget · Werbebudget 1,25 % des Umsatzes · keine eigene Marketingabteilung · Handelsmarken 30–40 % günstiger, in Asien produziert.

Folge: Ein Preiskampf ist bei Fertigung am Standort Lüdenscheid nicht gewinnbar. Tragfähig ist Differenzierung über einen Nutzen, den der Preisanbieter nicht kopiert: Nachhaltigkeit, Nachkaufsicherheit, Refill-System – das einzige Sortimentsfeld, in dem Kettelbach nicht vergleichbar ist.

Erst Marktrolle belegen, dann Strategie begründen – nie umgekehrt.

8Prüfungsfallen

  1. Quantitativ mit operativ und qualitativ mit strategisch gleichsetzen.
  2. Vier beliebige Maßnahmen nennen, ohne zu prüfen, ob sie zusammenpassen.
  3. Place als Unternehmensstandort verstehen.
  4. Segmentierung und Zielgruppe gleichsetzen.
  5. Eine Person aufgrund eines Merkmals vollständig beschreiben.
  6. Einen Slogan ohne belegten Nutzen als Positionierung ausgeben.
  7. Eine Marktrolle ohne Bezugsmarkt und Kennzahl behaupten.

9Daran erkenne ich den Aufgabentyp

  • „Unterscheiden Sie strategische und operative Ziele anhand zweier Merkmale.“Zeithorizont, Verantwortung
  • „Leiten Sie ein operatives Ziel ab.“kürzer, messbar, terminiert
  • „Nennen Sie die vier Kriteriengruppen mit je einem Merkmal.“demo · geo · psycho · Verhalten
  • „Begründen Sie die Wahl der Zielgruppe.“messbar, erreichbar, relevant
  • „Formulieren Sie ein SMART-Ziel.“fünf Buchstaben einzeln belegen

10Selbstcheck

  • Ich ordne vier Kettelbach-Ziele in die Vierfeldertafel ein.
  • Ich nenne für jedes P ein Kettelbach-Beispiel.
  • Ich begründe Kettelbachs Marktfolgerstrategie mit drei Belegen.

Tag 5 · Do 17.09. · Produktpolitik: Lebenszyklus und Portfolio

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Produkte einordnen und entscheiden

Produktpolitik entscheidet, welche Leistungen angeboten, verändert, ergänzt oder herausgenommen werden. Zwei Modelle helfen beim Einordnen: der Lebenszyklus mit fünf Phasen und das Portfolio mit dem relativen Marktanteil. Beide zeigen, was naheliegt – nicht, was wirtschaftlich ist.

KURSTAG5

1Die fünf produktpolitischen Maßnahmen

Innovationein für das Unternehmen neues Produkt wird aufgenommen
Variationein bestehendes Produkt wird verändert, die alte Fassung ersetzt
Differenzierungneben dem bestehenden Produkt kommen Varianten dazu
Diversifikationein ganz neues Geschäftsfeld kommt hinzu
EliminationProdukt wird nach wirtschaftlicher Prüfung herausgenommen, etwa bei dauerhaft negativem Deckungsbeitrag

Variation ersetzt, Differenzierung stellt nebeneinander, Diversifikation eröffnet ein neues Feld. Eine Herausnahme ist Elimination, keine Variation.

2Vom Merkmal zum Nutzen

Merkmalvordosierte Reinigungstabs
Vorteilkein Abmessen
Nutzengleichbleibende, einfache Reinigung im Tierhaushalt
BelegAnwendungstest, überprüfbare Leistungsangabe
Grundnutzendie sachlich-technische Hauptleistung: Böden werden gesaugt und feucht gereinigt
Zusatznutzenalles darüber hinaus: Komfort, Zeitersparnis, Service, Gestaltung, verlässliches Liefermodell

Ein Merkmal beschreibt das Produkt. Ein Nutzen beschreibt, was die Kundin davon hat. Wer nur Merkmale aufzählt, hat die Aufgabe nicht gelöst.

3Der Produktlebenszyklus – fünf Phasen

0 1 Einführung2 Wachstum3 Reife4 Sättigung5 Degeneration Gewinn oft negativStückkosten sinkenGewinnmaximumErsatzkäufe, PreisdruckRückzug oder Relaunch UmsatzGewinn
PhaseKennzeichenTypische Aufgaben
Einführunggeringe Bekanntheit, hohe Anlaufkosten, erste VerkäufeNutzen erklären, Vertrieb schulen, Verfügbarkeit sichern
Wachstumstark steigende Nachfrage, Wettbewerb nimmt zu, Stückkosten sinkenKapazität erweitern, Qualität sichern, Position verteidigen
Reifehoher Umsatz, geringeres Wachstum, gute GewinneMarktanteil sichern, Kosten senken, gezielt erneuern
Sättigungstagnierender Markt, Preisdruck, Ersatzkäufe statt Erstkäufedifferenzieren, Varianten bereinigen, neue Anwendungen
Degenerationdauerhafter Rückgang durch Technik, Lebensweise, ErsatzprodukteNische, Abschöpfung, Variation oder geordneter Rückzug

Der Gewinn erreicht sein Maximum oft früher als der Umsatz – Nachlässe, Kommunikations- und Servicekosten drücken die Marge. Neue Produkte müssen vorbereitet werden, solange reife noch Geld verdienen. Phasen sind keine festen Zeiträume; das Curriculum nennt fünf.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 4 (P01, P02, P05, P06) · Tageszusammenfassung Tag 5Vorderseite

Das Blatt · Tag 5 · Rückseite

Portfolio rechnen, Entscheidung begründen

Relativer Marktanteil = eigener Marktanteil ÷ Marktanteil des stärksten Wettbewerbers. Es wird geteilt, nicht abgezogen; das Ergebnis ist ein Verhältnis. Größer als 1: stärker als der Größte.

KURSTAG5

4Das Produktportfolio (BCG)

Question Markinvestieren oder begründet beenden Starausbauen, Position sichern Poor DogNische, Abschöpfung, Rückzug prüfen Cash Cowsichern, Überschüsse nutzen, pflegen Wachstum hoch Wachstum niedrig rel. Marktanteil < 1rel. Marktanteil > 1 Refill 0,2 Ordnung 1,3 Reinigung 1,4 Küche 1,1 Wäsche 0,9 Bügeln 0,6

Finanzierungslogik: Cash Cows erwirtschaften Mittel, die ausgewählte Question Marks und Stars finanzieren; Stars werden später zu Cash Cows. Eine Normstrategie ist eine Faustregel, kein Automatismus.

5Kettelbach durchgerechnet

BereichAnteilPhaseRechnungrel. MAFeld
Refill-System2 %Einführung1,6 ÷ 8,00,2Question Mark
Ordnung13 %Wachstum3,9 ÷ 3,01,3Star
Reinigung35 %Reife7,0 ÷ 5,01,4Cash Cow
Küchenhelfer20 %Reife4,4 ÷ 4,01,1Cash Cow
Wäschepflege30 %Sättigung5,4 ÷ 6,00,9Grenzfall
Bügeln−46 % seit 2018Degeneration4,2 ÷ 7,00,6Poor Dog

Reinigung, Wäschepflege und Küchenhelfer liefern 85 % des Umsatzes – aus reifen oder gesättigten Bereichen. Das ist Stärke und Risiko zugleich. Ein kleiner Anteil ist bei einem jungen Produkt normal.

„Wäschepflege ist wahrscheinlich in der Sättigung: hoher Umsatzanteil, Markt wächst nicht mehr. Mit 0,9 liegt der relative Marktanteil knapp unter der Grenze – ein Grenzfall. Sichern, Varianten und Kosten prüfen, nicht allein wegen fehlenden Wachstums eliminieren.“

6Einflussgrößen auf das Produktprogramm

intern

  • Fertigungskapazität, technisches Können
  • Kapital, Liquidität
  • Personal, Zeit
  • Lager, Service, Ersatzteilfähigkeit
  • Unternehmensziele, Positionierung, Risikobereitschaft

extern

  • Nachfrage, Kundenerwartungen
  • Wettbewerber, Preisniveau
  • Erwartungen von Handel und Shop-Kunden
  • Gesetze zu Verpackung, Recycling, Sicherheit
  • Rohstoffe, Beschaffungspreise, Technik

Das Portfolio zeigt, was wirtschaftlich naheliegt. Die Einflussgrößen zeigen, was tatsächlich möglich und sinnvoll ist.

7Von der Analyse zur Entscheidung – die Kette jeder Antwort

  1. Ausgangsdaten nennen
  2. Lebenszyklusphase begründen
  3. relativen Marktanteil berechnen (teilen!)
  4. Portfoliofeld bestimmen
  5. Bedeutung für das Unternehmen erläutern
  6. Maßnahme, Risiko, Kontrollkennzahl, Entscheidungstermin

Beide Modelle zeigen keine Wirtschaftlichkeit: Deckungsbeitrag = Erlöse − variable Kosten. Ein Produkt mit wenig Umsatz kann einen guten Deckungsbeitrag haben.

8Prüfungsfallen

  1. Relativen Marktanteil als Prozentwert oder als Differenz angeben.
  2. Variation mit Herausnahme und Neueinführung gleichsetzen.
  3. Phasen als feste Zeiträume behandeln.
  4. Vier statt fünf Phasen – im Zweifel die Systematik der Aufgabe.
  5. Eine Normstrategie ohne Deckungsbeitrag und Verbundwirkung umsetzen.
  6. Merkmale statt Nutzen aufzählen.

9Aufgabentyp und Selbstcheck

  • „Ordnen Sie die Maßnahme zu.“neu · verändert · ergänzt · entfernt
  • „Ordnen Sie die Marktsituation einer Phase zu.“Kennzeichen + Maßnahme
  • „Berechnen Sie den relativen Marktanteil.“eigener ÷ stärkster
  • Ich erkläre, warum der Gewinn sinken kann, obwohl der Umsatz noch wächst.
  • Ich rechne und deute den relativen Marktanteil von Wäschepflege.
  • Ich nenne je zwei interne und externe Einflussgrößen.

Tag 6 · Fr 18.09. · Sortiment, Markt und Preis

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Sortiment gestalten, Prioritäten setzen

Das Sortiment ist die Gesamtheit aller angebotenen Waren – im Handel Sortiment, beim Hersteller Produktprogramm. Breite zählt Gruppen, Tiefe zählt Varianten, Niveau ordnet nach Qualität und Preis. Die ABC-Analyse sagt, wo sich Aufwand lohnt.

KURSTAG6

1Breite, Tiefe, Niveau

Sortimentsbreite → Produktgruppen Tiefe → Varianten ReinigungWäscheKücheOrdnung Wischer 40 cmWischer 50 cmRoboter PremiumSortiments-niveauDiscount
BreiteAnzahl der Produktgruppen · Diversifikation (breiter) ↔ Spezialisierung (schmaler)
TiefeVarianten je Gruppe · Differenzierung (tiefer) ↔ Standardisierung (flacher)
NiveauQualität und Preis · Discount ↔ Premium

Viele Stück eines Artikels sind keine Tiefe. Ein Sortiment kann schmal und tief sein – oder breit und flach.

2Aufbau: Kern, Rand, Ergänzung

Ergänzung Randsortiment Kernsortiment
Kernsortimentprägt das Unternehmen, wesentlicher Teil des Umsatzes: Bodenpflege
Randsortimentergänzt den Auftritt, weniger prägend
Ergänzungsartikelwerden mit dem Hauptprodukt gebraucht: Ersatzbezüge, Bürsten, Filter, Refill-Tabs – wiederkehrende Umsätze über Jahre

Gliederung: Sortiment → Warenbereich (Haushaltspflege) → Warengruppe (Reinigung) → Artikelgruppe (Wischsysteme) → Artikel → Sorte/Variante (Modell A, Blau, 40 cm).

3Sortiment verändern

Erweiterungneue Gruppen oder Artikel kommen hinzu
VertiefungVarianten in einer vorhandenen Gruppe
Bereinigungschwache oder unpassende Artikel entfernen
DifferenzierungGliederung nach Zielgruppen, Preisbereichen, Nutzung

Kannibalisierung: Ein neues Produkt nimmt einem bestehenden Absatz – schlecht nur, wenn der Gesamtgewinn nicht steigt. Verbundwirkung: Ein Einstiegsartikel bindet Kundschaft, ein wenig rentabler Artikel ist für Großkunden nötig.

Bereinigung nie allein nach Umsatz: Deckungsbeitrag, Zukunft, Image, Verbundkäufe, Ersatzteilpflichten, Handelspartner prüfen.

4Die ABC-Analyse

Awenige Positionen, sehr hoher Wertanteil → intensive Betreuung, genaue Planung, enge Kontrolle
Bmittlerer Mengen- und Wertanteil → normale Betreuung, regelmäßige Prüfung
Cviele Positionen, geringer Wertanteil → vereinfachte Verfahren, Sammelbestellungen

Grundlage ist das Pareto-Prinzip: rund 80 % der Wirkung aus 20 % der Ursachen – eine Orientierung, keine feste Klassengrenze. Anwendbar auf Artikel, Lieferanten, Kunden und Aufgaben: A-Kunden persönlich betreuen, C-Kunden standardisiert bedienen.

A-Produkte sind die wertstärksten, nicht die mengenmäßig häufigsten. Rechenweg: Wert je Position = Menge × Wert je Einheit; Anteil = Positionswert ÷ Gesamtwert × 100.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 4 (P03, P04, P07) und Vertiefung (F04, F05, S03) · Tag 6Vorderseite

Das Blatt · Tag 6 · Rückseite

Den Markt lesen, bevor der Preis steht

Kettelbach hat Erfahrung, Wissen über Tierhaushalte, einen Technikpartner und eine Produktidee. Aber gibt es dafür einen tragfähigen Markt? Drei Blicke auf den Markt, fünf Wettbewerbskräfte – und die erste Frage nach dem Preisspielraum.

KURSTAG6

5Drei Blicke – und fünf Blickrichtungen

MarktanalyseZeitpunkt, einmalig – Momentaufnahme
MarktbeobachtungZeitraum, laufend – Entwicklung und Stellung der Anbieter
MarktprognoseZukunft – begründete Schätzung auf Basis von Analyse und Beobachtung

Arten der Marktanalyse nach betrieblicher Funktion: Beschaffung (Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe, Energie) · Produktion (Qualität, Kosten, Marktreife, Verpackung) · Finanzmarkt (Zinsen, Kurse) · Personal (Arbeitsmarkt) · Vertrieb (Absatzmärkte, Konkurrenz, Kaufkraft, Präferenzen).

Ergebnis ist Markttransparenz: Marktvolumen, Marktpotenzial, Wachstum, Marktanteile, Kundenstruktur. Marktanalyse ist nicht nur Absatzmarktanalyse.

6Die fünf Wettbewerbskräfte

Wettbewerb unterbestehenden Mitbewerbern neue AnbieterGefahr des Markteintritts Ersatzproduktegleiches Bedürfnis, anders gelöst LieferantenVerhandlungsmacht KundenVerhandlungsmacht

Eine Handelskette droht mit Auslistung, wenn der Einkaufspreis nicht sinkt: Verhandlungsmacht der Kunden – nicht Rivalität. Ein Ersatzprodukt erfüllt dasselbe Bedürfnis, es sieht nicht gleich aus.

7Erster Blick auf den Preis

Preispolitik umfasst Entscheidungen über Preise, Rabatte sowie Zahlungs- und Lieferbedingungen.

UnternehmenszieleWas soll der Preis erreichen?
Markt und NachfragerZahlungsbereitschaft – Preisobergrenze
Kostenlangfristige Preisuntergrenze
MitbewerberVergleichsangebote 499 bis 799 Euro

Das ist der Einstieg. Strategien, Konditionen und die vollständige Rechnung bis zum kalkulierten Gewinn stehen auf Blatt 7.

8Prüfungsfallen

  1. Viele Stück eines Artikels als Sortimentstiefe bezeichnen.
  2. A-Produkte mit den mengenmäßig häufigsten gleichsetzen.
  3. Ersatzprodukt mit äußerlich ähnlichem Produkt verwechseln.
  4. Marktanalyse nur als Absatzmarkt-Analyse verstehen.
  5. Handelsdruck als Rivalität statt als Kundenmacht einordnen.
  6. Bereinigung allein nach Umsatz.

9Aufgabentyp erkennen und Selbstcheck

  • „Beurteilen Sie, ob Breite, Tiefe oder Niveau verändert wird.“neue Gruppe · neue Variante · neue Preisstufe
  • „Bestimmen Sie die stärkste Wettbewerbskraft.“Wer übt den Druck aus?
  • „Ordnen Sie zu: Analyse, Beobachtung, Prognose.“Zeitpunkt · Zeitraum · Zukunft
  • „Ordnen Sie die Positionen nach Wertanteil.“ABC: Wert, nicht Menge
  • Ich erkläre Breite, Tiefe und Niveau mit je einem Kettelbach-Beispiel.
  • Ich ordne zehn Fälle den fünf Wettbewerbskräften zu.
  • Ich nenne die vier Einflüsse auf den Preis und sage, welcher die Untergrenze setzt.
  • Ich erkläre, warum Bereinigung nicht nur nach Umsatz erfolgen darf.

Tag 7 · Mo 21.09. · Preispolitik

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Preispolitik – was bleibt Kettelbach?

Ein Händler bestellt 20 Saugwischroboter: 600,00 Euro Netto-Listenpreis je Gerät, 10 Prozent Mengenrabatt, 2 Prozent Skonto. Auf dem Angebot stehen 12.000,00 Euro. Was geht wirklich ein – und welche Preisstrategie ist begründbar?

KURSTAG7

1Vier Einflüsse auf den Preis

Preis UnternehmenszielWas soll der Preis erreichen? Kostenwirtschaftliche Grenze NachfrageZahlungsbereitschaft MitbewerberVergleichsrahmen

Keines der vier Kriterien reicht allein. Kosten allein bestimmen keinen am Markt durchsetzbaren Preis.

2Kosten: fix, variabel, Selbstkosten

Variable Kosten verändern sich mit der Menge. Fixkosten fallen zunächst auch ohne Absatz an.

variabelEinkauf, Bauteile, stückbezogene Vergütung, Verpackung, Versand, Provision
fixMiete, feste Gehälter, Verwaltung, Software, Entwicklung, Stromgrundgebühr
gemischtStrom, Personal – fester Teil plus stückabhängiger Teil
Selbstkosten je Gerät320,00 + 100,00 = 420,00 Euro

Nur variable Kosten abgezogen = Deckungsbeitrag. Vollständige Selbstkosten abgezogen = kalkulierter Gewinn.

3Die Rechenkette – Rabatt vor Skonto

  • Listenwert · 20 × 600,00 Euro12.000,00 €
  • − 10 %Rabatt vom Listenwert1.200,00 €
  • =Zielerlös10.800,00 €
  • − 2 %Skonto vom Zielerlös216,00 €
  • =tatsächlicher Erlös (Zahlungseingang)10.584,00 €
  • ÷ 20tatsächlicher Stückerlös529,20 €
  • Selbstkosten je Gerät420,00 €
  • =kalkulierter Gewinn je Gerät109,20 €
  • × 20kalkulierter Gewinn gesamt2.184,00 €
Die Bezugsgröße wechselt: 10 % + 2 % sind nicht 12 % vom Listenwert (das wären 10.560,00 Euro – falsch). Jedes Ergebnis mit Einheit: Euro, Euro je Gerät, Prozent.

4Penetration oder Skimming?

Penetration

  • Einstieg niedrig – schnell viele Käufer, Marktanteil
  • passt bei preissensiblem Massenmarkt, hohen Stückzahlen, tragfähigem Preis
  • Risiko: geringe Marge, Niedrigpreis-Image, spätere Erhöhung schwierig
  • Roboter: Start zu 499,00 Euro für Reichweite im Handel

Skimming

  • Einstieg hoch – frühe Zahlungsbereitschaft nutzen, spätere Senkung vorgesehen
  • passt bei Innovation, geringer Vergleichbarkeit, zahlungsbereiter Kernzielgruppe
  • Risiko: kleine Menge, Konkurrenz wird angezogen, frühe Käufer enttäuscht
  • Roboter: Start zu 799,00 Euro als Tierhaar-Innovation

„Teuer“ oder „billig“ ist keine Strategie. Entscheidend sind Ziel und geplante Preisentwicklung. Eine einmalige Rabattaktion ist keine Penetration.

5Konditionen: zuerst den Auslöser markieren, dann den Begriff nennen

große Abnahmemenge · „ab 100 Geräten“Mengenrabatt
schnelle Zahlung · „binnen zehn Tagen“Skonto
Händler übernimmt WeiterverkaufWiederverkäuferrabatt
nachträglich bei erreichtem JahresumsatzBonus
besonderer Anlass · JubiläumSonderrabatt
„zahlbar in 30 Tagen“ · GeldflussZahlungsbedingung
zusätzliche Ware · „100 bestellen, 102 erhalten“Naturalrabatt
„frei Haus ab 100 Geräten“ · WarenflussLieferbedingung

Ein Zahlungsziel ist kein Nachlass – es verschiebt nur den Zeitpunkt. Kostenlose Lieferung ist für Kettelbach nicht kostenlos.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 5 Preispolitik (R01–R06)Vorderseite · Rückseite: Preisdifferenzierung, Begründung, Prüfungsfallen, Selbstcheck

Das Blatt · Tag 7 · Rückseite

Begründen, abgrenzen, erkennen

Die Prüfung fragt selten „Was ist Skimming?“. Sie fragt: „Wählen Sie und begründen Sie mit zwei Fallinformationen.“ Diese Seite trainiert genau das.

KURSTAG7

6Vom Befund zur Preisentscheidung – so sieht eine Prüfungsantwort aus

FallinformationWas weiß ich über Markt, Zielgruppe, Kosten, Wettbewerb? Mindestens zwei Angaben aus dem Text.
ZielWas soll der Preis erreichen? Aus dem Fall übernehmen, nicht erfinden.
StrategiePenetration oder Skimming – oder eine Kondition.
WirkungWas bewirkt sie voraussichtlich?
RisikoWas muss beobachtet werden? Getrennt von der Wirkung.

„Weil die Tierhaar-Leistung belegt ist, zunächst wenige direkte Alternativen bestehen und frühe Käufer eine hohe Zahlungsbereitschaft besitzen, ist für Kettelbach Skimming vertretbar. Es unterstützt hohe Anfangserlöse und die hochwertige Positionierung. Das Risiko einer zu kleinen Absatzmenge wird durch die Beobachtung von Absatz, Durchschnittserlös und Konkurrenz kontrolliert.“

Eine unternehmerische Entscheidung ist nicht „richtig“ oder „falsch“. Sie ist vertretbar, wenn die genannten Voraussetzungen gelten – und prüfbar, wenn Wirkung und Risiko getrennt stehen.

7Preisdifferenzierung – gleiche Leistung, anderer Preis, ein Kriterium

räumlichOrt oder Regionanderer Preis in zwei Vertriebsregionen
zeitlichZeitpunkt, SaisonEinführungspreis nur im Startmonat
persönlichKundengruppeVorteil für registrierte Bestandskunden
sachlichNutzungszweck, Leistungsumfangprivates Paket und gewerbliches Servicepaket

Zwei deutlich verschiedene Modelle sind keine Preisdifferenzierung. Preisdifferenzierung ist keine Einstiegsstrategie – sie kommt nach dem Markteintritt.

8Prüfungsfallen – hier gehen die Punkte verloren

  1. Skonto vom Listenwert berechnen oder Rabatt und Skonto zu 12 % addieren.
  2. Die 420,00 Euro Selbstkosten als variable Kosten bezeichnen.
  3. Kalkulierten Gewinn stillschweigend Deckungsbeitrag nennen – oder umgekehrt.
  4. Nur „hoch“ oder „niedrig“ schreiben, ohne Fallinformation und Wirkung.
  5. Eine Strategie ohne Unternehmensziel auswählen.
  6. Penetration mit einer kurzfristigen Rabattaktion gleichsetzen.
  7. Skimming nur als dauerhaft hohen Preis beschreiben.
  8. Skonto als Rabatt wegen der Menge, Zahlungsziel als Preisnachlass bezeichnen.
  9. Preisdifferenzierung mit unterschiedlichen Produkten verwechseln.
  10. Ergebnisse ohne Einheit hinschreiben.

9Daran erkenne ich den Aufgabentyp

  • „Ordnen Sie zu: fix, variabel …“Auslöser prüfen: Menge oder Zeitraum?
  • „Berechnen Sie den tatsächlichen Erlös / Gewinn …“Kette 1 → 9, Rabatt vor Skonto
  • „Begründen Sie Penetration oder Skimming …“2 Fallinfos · Ziel · Wirkung · Risiko
  • „Bestimmen Sie die Form der Preisdifferenzierung …“Kriterium nennen
  • „Ordnen Sie den Nachlass zu …“zuerst Auslöser, dann Begriff
  • „Nennen Sie Bestandteile der Preispolitik …“Preis · Rabatt · Zahlung · Lieferung

10Selbstcheck – ohne App, ohne Hilfe, in fünf Minuten

  • Ich rechne die Kette vom Listenwert bis zum kalkulierten Gewinn gesamt fehlerfrei nach – mit Einheiten.
  • Ich erkläre in einem Satz, warum Skonto vom Zielerlös und nicht vom Listenwert berechnet wird.
  • Ich nenne für Penetration und Skimming je Ziel, passende Lage und Hauptrisiko.
  • Ich ordne acht Konditionen über ihren Auslöser zu, ohne zu raten.
  • Ich schreibe einen Entscheidungssatz mit zwei Fallinformationen, Ziel, Strategie, Wirkung und Risiko.
  • Ich unterscheide Deckungsbeitrag und kalkulierten Gewinn an den 420,00 Euro.

Tag 8 · Di 22.09. · Kunden- und Distributionspolitik I

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Den Weg zum Kunden sicher entscheiden

Kettelbach will den Saugwischroboter gleichzeitig über den eigenen Onlineshop, den Fachhandel, Großkunden und Marktplätze verkaufen – ohne Beratung, Marge, Kundendaten und Service gegeneinander auszuspielen. Distribution ist nicht nur Lieferung.

KURSTAG8

1Verkauf · Vertrieb · Absatz

Verkaufdas einzelne EreignisMarkt bestellt 300 Roboter Vertriebdas organisierte SystemKanäle, Abläufe, Lieferung, Service Absatzdas messbare Ergebnis1.200 Roboter im Juni Vertriebsmanagement gestaltet und verbessert das System

Vertriebsmanagement als Prozess: Kundenbedürfnisse und Marktpotenziale analysieren → Vertriebsstrategie entwickeln → Vertriebsprozess organisieren → Mitarbeitende und Zwischenhändler auswählen und führen → Ergebnisse kontrollieren und optimieren.

Bei der Zuordnung immer fragen: einzelner Abschluss, System dahinter oder messbares Ergebnis? Ohne Analyse keine Strategie, ohne Ziele keine Kontrolle.

2Direkter und indirekter Vertrieb

direkt Kettelbach Kunde indirekt Kettelbach Großhandel Einzelh. Kunde Spedition, Zahlungsdienst, Plattform als Vermittler = Absatzhelfer

direkt

  • Onlineshop, Werksverkauf, eigener Außendienst
  • + Kundenkontakt, eigene Daten, Kontrolle, volle Marge
  • eigener Aufwand für Reichweite, Logistik, Retouren, Service

indirekt

  • Fachhandel, Großhandel, Handelsketten
  • + Reichweite, Beratung vor Ort, vorhandene Struktur
  • Handelsmarge, weniger Daten, Abhängigkeit, weniger Kontrolle

Absatzmittler kaufen und verkaufen im eigenen Namen weiter. Absatzhelfer unterstützen nur. Nicht der Name des Partners entscheidet, sondern seine Rolle – Onlineverkauf ist nicht automatisch direkt.

3Nachhaltigkeit belastbar beurteilen

„Der direkte Weg ist nachhaltiger, weil er weniger Stufen hat.“ – unvollständig. Für eine belastbare Beurteilung braucht es die tatsächlichen Ströme:

  • Transportentfernung und Fahrzeugauslastung
  • Einzelversand oder gebündelte Lieferung
  • Verpackungsmenge, Retouren und Rücktransporte
  • Lager- und Umladewege, letzte Meile
  • Beratung gegen Fehlkäufe, Reparatur, Ersatzteile, Nutzungsdauer

Kein Vertriebsweg ist automatisch nachhaltiger. Gebündelte Lieferungen an Handelsstufen können Transport und Verpackung reduzieren.

4Innendienst und Außendienst

InnendienstAußendienst
Ortim Unternehmenbeim Kunden, im Markt
AufgabenAngebot erstellen, Bestellung erfassen, Liefertermin verfolgen, Stammdaten, Reklamation koordinierenBedarf ermitteln, vorführen, verhandeln, Händler gewinnen, Markt beobachten
StärkeProzesssicherheit, ErreichbarkeitBeziehung, Abschluss

Verkaufsprozess: Kontakt vorbereiten → Bedarf ermitteln → vorführen und Lösung abstimmen → Machbarkeit intern prüfen → Angebot und Verhandlung → Bestellung → Lieferung koordinieren → nachbereiten. Eine Übergabe „300 Geräte, schnell, Preis wie besprochen“ ist unvollständig: Ansprechpartner, Ausführung, Konditionen, Lieferstand, Zusagen, Zuständigkeit, nächster Schritt fehlen.

Außendienst ist eine Aufgaben- und Arbeitsform – keine Rechtsstellung. Die Koordination der Reklamation liegt im Innendienst.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 6 Teil 1 (D01, D02, D05, D06, D07) · Tag 8 UE 1–6Vorderseite · Reisender, Handelsvertreter und Qualität: Blatt 9

Das Blatt · Tag 8 · Rückseite

Service, Kanalkonflikt, Entscheidung

Service endet nicht mit dem Kauf und muss zum Vertriebsweg passen. Wenn Preise, Lieferzusagen oder Zuständigkeiten zwischen den Kanälen nicht zusammenpassen, entsteht ein Kanalkonflikt – und die Prüfung fragt nach der abgestimmten Lösung.

KURSTAG8

5Service vor, während und nach dem Kauf

vor dem KaufBeratung, Vorführung, Bedarfsanalyse, verständliche Information, Erreichbarkeit
während des Kaufssichere Bestellung, Zahlungsinformation, verbindliche Lieferauskunft, Einrichtungshilfe
nach dem KaufHotline, Ersatzteile, Reparatur, Reklamation und Rücknahme, Schulung

Nutzen für die Kundschaft: Entscheidungssicherheit, Bequemlichkeit, Planbarkeit, Problemlösung. Nutzen für Kettelbach: Vertrauen, weniger Fehlkäufe und Rückfragen, Kundenbindung, Marktrückmeldung – „ist gut für Kunden“ reicht als Begründung nicht.

Kanäle müssen nicht dasselbe leisten: Fachhandel – persönliche Bedarfsanalyse, Vorführung, Hilfe bei Auswahl und Einrichtung, örtlicher Ansprechpartner. Onlineshop – ausführliche Information, digitale Einrichtungshilfe, transparente Bestell- und Lieferinformation, direkter Support. Sie müssen verständlich, erfüllbar und aufeinander abgestimmt sein.

6Der Kanalkonflikt – Fall und Lösung

Fall: Der Onlineshop bietet den Roboter deutlich günstiger an als der Fachhandel. Interessierte lassen ihn sich im Geschäft vorführen, bestellen online und erwarten danach kostenlose Einrichtungshilfe im Geschäft.

Analyse in fünf Schritten: beteiligte Wege benennen → Auslöser bestimmen → Interessen von Kundschaft, Fachhandel und Kettelbach → Folgen → abgestimmte Lösung.

  • klare Kanalrollen
  • nachvollziehbare Preise und Konditionen
  • einheitliche Kerninformationen und Lieferzusagen
  • eindeutige Servicezuständigkeiten
  • vereinbarter Ausgleich für kanalübergreifende Leistungen
  • rechtzeitige Information aller Beteiligten

Der Fachhandel trägt Beratungsaufwand und braucht eine tragfähige Marge. Einen Kanal zu schließen oder den Preis blind anzugleichen löst den Konflikt nicht.

7Die Vertriebswegentscheidung begründen

ReichweiteWie viele Kunden erreicht der Weg?
Kundennähedirekter Kontakt, Beratung, Rückmeldung
Kosten und MargeHandelsmarge, eigener Aufwand
DatenzugangWer kennt den Kunden?
KontrollePreis, Darstellung, Service
Nachhaltigkeittatsächliche Warenströme
Servicevor, während, nach dem Kauf
VerfügbarkeitLieferfähigkeit im Kanal

Begründungslogik: Fallinformation → Vertriebsweg → Vorteil → Risiko → Abwägung → Entscheidung.

Es gibt nicht den einen richtigen Vertriebsweg. Richtig ist eine Entscheidung, die mit den Informationen des Falls nachvollziehbar begründet wird.

8Prüfungsfallen

  1. Vertrieb und Absatz synonym verwenden.
  2. Jede Onlineplattform automatisch als direkten Vertrieb bezeichnen.
  3. Absatzhelfer (Spedition, Zahlungsdienst) als Absatzmittler zählen.
  4. Einen kurzen Weg ohne Blick auf die Warenströme als nachhaltiger bezeichnen.
  5. Außendienst automatisch mit einer Rechtsstellung gleichsetzen.
  6. Service mit dem Kauf enden lassen.
  7. Den Kanalkonflikt mit „Preis angleichen“ lösen wollen.
  8. Den Prozess mit der Kontrolle statt mit der Analyse beginnen.

9Aufgabentyp und Selbstcheck

  • „Ordnen Sie zu: Verkauf, Vertrieb oder Absatz.“Ereignis · System · Ergebnis
  • „Stellen Sie den Vertriebsweg als Kette dar.“Hersteller → (Mittler) → Kunde
  • „Ordnen Sie die Serviceleistung einer Phase zu.“vor · während · nach
  • „Begründen Sie eine Vertriebswegentscheidung.“Kriterien + Fallinformation
  • Ich ordne acht Situationen Verkauf, Vertrieb, Absatz oder Vertriebsmanagement zu.
  • Ich stelle sechs Kettelbach-Wege als Kette dar und benenne die Partnerrolle.
  • Ich löse den Kanalkonflikt mit mindestens vier Regeln.
  • Ich begründe einen Vertriebsweg mit vier Kriterien aus dem Fall.

Tag 9 · Mi 23.09. · Kunden- und Distributionspolitik II

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Reisender oder Handelsvertreter – rechnen bis zum kritischen Umsatz

Die Elektronikmärkte erwarten Besuche, Vorführungen und Verhandlungen. Kettelbach kann dafür eine angestellte Reisende einstellen oder einen selbstständigen Handelsvertreter beauftragen. Der Umsatz im ersten Jahr ist unsicher – die Entscheidung braucht Rechnung und Fallinformationen.

KURSTAG9

1Reisender und Handelsvertreter

Reisender

  • angestellt, weisungsgebunden
  • festes Gehalt, häufig plus Provision
  • feste Personalkosten auch ohne Umsatz
  • Reise- und Fahrzeugkosten trägt das Unternehmen
  • nur für das eigene Unternehmen
  • + Produktkenntnis, Markenauftritt, Kundenbeziehung gut steuerbar

Handelsvertreter

  • selbstständig, vermittelt oder schließt Geschäfte
  • Vergütung überwiegend Provision
  • kann mehrere Unternehmen vertreten
  • trägt Reise- und Fahrzeugkosten selbst
  • vorhandene Kontakte = schneller Marktzugang
  • Prioritäten und Darstellung weniger steuerbar

Außendienst beschreibt Aufgabe und Arbeitsort – nicht die Rechtsstellung. Beide können im Außendienst arbeiten. Zuerst Rechtsstellung prüfen, dann Vergütung und Kosten, dann der Begriff.

2Die beiden Kostenfunktionen

Umsatz im Jahr →Kosten 400.000800.0001.200.000 48.00064.000 Reisender: 48.000 + 0,02 × U Handelsvertreter: 0,08 × U Handelsvertreter günstigerReisender günstiger

Kosten Reisender = Fixkosten + Provisionssatz × Umsatz = 48.000,00 € + 0,02 × Umsatz. Kosten Handelsvertreter = Provisionssatz × Umsatz = 0,08 × Umsatz. Prozent als Dezimalzahl: 2 % = 0,02, 8 % = 0,08.

Fixkosten nur beim Reisenden. Mit jedem Euro Umsatz steigen die Kosten des Handelsvertreters um 8 Cent, die des Reisenden um 2 Cent – deshalb schneiden sich die Linien.

3Kritischer Umsatz: gleichsetzen, auflösen, deuten

  • 1gleichsetzen48.000 + 0,02 × U = 0,08 × U
  • 2variable Anteile zusammenfassen48.000 = 0,06 × U
  • 3nach dem Umsatz auflösenU = 48.000 ÷ 0,06
  • 4kritischer Umsatz800.000,00 €
  • Probe: 48.000 + 16.000 = 0,08 × 800.000je 64.000,00 €

Kurzformel: Fixkosten ÷ (Provisionssatz Handelsvertreter − Provisionssatz Reisender). Typische Fehlergebnisse: 600.000 (Provision des Reisenden vergessen) · 480.000 (Sätze addiert statt subtrahiert) · 8.000 (durch 6 statt 0,06 geteilt).

UmsatzReisenderHandelsvertretergünstiger
400.000 €56.000 €32.000 €Handelsvertreter (24.000 €)
600.000 €60.000 €48.000 €Handelsvertreter (12.000 €)
800.000 €64.000 €64.000 €gleich teuer
1.000.000 €68.000 €80.000 €Reisender (12.000 €)
1.200.000 €72.000 €96.000 €Reisender (24.000 €)

Unterhalb des kritischen Umsatzes ist der Handelsvertreter günstiger, oberhalb der Reisende. Einheit an jedes Ergebnis, Probe, Deutung in einem Satz – die Rechnung ersetzt keine qualitativen Kriterien.

4Die Entscheidung begründen

FallinformationUmsatz unsicher, 500.000–700.000 € erwartet; Herr Martens hat Kontakte zu den Märkten
Vorteilkein Fixkostenrisiko, schneller Marktzugang
Risikogeteilte Aufmerksamkeit, weniger Steuerung, hohe Provision bei hohem Umsatz
AbwägungSchulung, klare Vereinbarungen, Abstimmung; ab 800.000 € Reisenden neu prüfen
Entscheidungzunächst Handelsvertreter

Vertretbar ist auch die Reisende – wenn Steuerbarkeit, Markenauftritt und dauerhafte Händlerbeziehung ausdrücklich höher gewichtet werden als 12.000 € Kostenvorteil und das Fixkostenrisiko benannt ist. Falsch ist nur: „günstiger, also fertig“.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 6 Teil 2 (D03, D04, D08, D09) · Tag 9 UE 1–6Vorderseite · Digital, Steuerung und Qualität: Rückseite

Das Blatt · Tag 9 · Rückseite

Digital vertreiben, mit Kennzahlen steuern, Qualität sichern

Ein Onlineshop ist noch keine Strategie. Eine Kennzahl ist nur sinnvoll, wenn sie zu einem Ziel passt. Und eine Zertifizierung garantiert keine fehlerfreien Produkte – drei Stellen, an denen die Prüfung genau hinsieht.

KURSTAG9

5Vertriebsstrategie und digitale Vertriebsformen

Vertriebsstrategie = Zielkunden + Vertriebswege + Nutzenversprechen + Ressourceneinsatz. Ein einzelner Kanal oder eine Preismaßnahme ist nur ein Baustein.

E-Commerceelektronischer Kauf und VerkaufHaushalt bestellt im Onlineshop; Markt bestellt im Händlerportal
E-Businessdarüber hinaus alle digitalen GeschäftsprozesseBestandsabgleich mit dem Handel, digitales Kundenmanagement
Social Commercesoziale Plattform + Interaktion + Kaufkaufbarer Beitrag, Livestream mit Kauflink

Potenziale: Reichweite, Verfügbarkeit, Daten, direkte Ansprache. Grenzen: Datenschutz, Logistik und Retouren, Preisabstimmung mit dem Fachhandel, Service, Plattformabhängigkeit.

Erkennungsfrage: Was ist der Kern? Kauf → E-Commerce. Anderer Prozess → E-Business. Kauf aus sozialer Interaktion → Social Commerce.

6Vertriebssteuerung als Kreislauf

Ziel100 Händlerbestellungen im Quartal
KennzahlAnzahl Händlerbestellungen – passend zu Ziel und Vertriebsweg
Ist-Wert72
Abweichung−28 (Ist minus Ziel, mit Vorzeichen)
Ursacheerst prüfen: Bedarf, Ansprache, Vorführung, Lieferfähigkeit, Schulung, Service
Korrekturpassend zur Ursache – Vorführgeräte und Schulung statt „mehr Besuche“

Kennzahl zum Ziel: Händler gewinnen → neue Händlerbestellungen, Abschlussquote · Wirtschaftlichkeit je Kanal → Umsatz, Deckungsbeitrag, kanalbezogene Kosten · Bindung und Qualität → Wiederkaufrate, Reklamationsquote (90 ÷ 2.000 = 4,5 %).

Zwischen Abweichung und Maßnahme steht immer die Ursache. Besuche sind Aufwand, kein Ergebnis.

7Qualitätskontrolle · -sicherung · -management

Qualitätsmanagement · dauerhaft · am SystemZiele, Verantwortliche, Prozesse, Kontrolle, Verbesserung Qualitätssicherungvorher · am Prozess · beugt vorMontage ändern, Lieferant freigeben, Schulung Qualitätskontrollenachher · am Ergebnis · entdecktLieferung prüfen, Stichprobe, Wareneingang

Reklamation = Information. Bürsteneinheit: 90 von 2.000 Geräten (4,5 %, Ziel 2 %). Sofort: Lieferung prüfen, Geräte zurückhalten, ersetzen, Händler informieren. Nachhaltig: Montage ändern, Lieferant prüfen, Prüfung im Ablauf verankern, Reklamationen einheitlich erfassen und auswerten.

Kontrolle entdeckt Fehler. Sicherung beugt Fehlern vor. Qualitätsmanagement organisiert das gesamte System.

8Norm · DIN · ISO 9001 · Zertifizierung

vereinheitlicht Regeln, Merkmale, AnforderungenNorm
Standards des Deutschen Instituts für NormungDIN
Anforderungen an ein QualitätsmanagementsystemISO 9001
geprüfter Nachweis, dass Anforderungen erfüllt sindZertifizierung

Die Norm enthält Anforderungen; die Zertifizierung weist deren geprüfte Erfüllung nach. Sie garantiert weder fehlerfreie Produkte noch Rechtskonformität.

9Prüfungsfallen

  1. Außendienst automatisch mit Reisendem gleichsetzen.
  2. 48.000 ÷ 0,08 rechnen – Provision des Reisenden vergessen.
  3. Provisionssätze addieren statt subtrahieren.
  4. Ergebnis ohne Einheit, Probe und Deutung.
  5. Nur rechnen – Kontakte, Steuerbarkeit, Service ignorieren.
  6. Einen Kanal als Strategie ausgeben.
  7. Von der Abweichung direkt zur Maßnahme springen.
  8. Kontrolle und Sicherung verwechseln; Zertifikat = fehlerfrei.

10Aufgabentyp und Selbstcheck

  • „Vergleichen Sie beide Formen, begründen Sie eine Wahl.“Rechtsstellung · Kosten · Situation
  • „Ermitteln Sie den kritischen Umsatz.“gleichsetzen → 800.000 €
  • „Ordnen Sie E-Commerce, E-Business, Social Commerce zu.“Kern des Vorgangs
  • „Unterscheiden Sie Norm und Zertifizierung.“Anforderung ↔ Nachweis
  • Beide Kostenfunktionen, kritischer Umsatz mit Probe und Deutung.
  • Wahl begründet mit zwei Fallinformationen, Vorteil und Risiko.
  • Kreislauf ausgefüllt, Ursache vor Maßnahme; zehn Maßnahmen den drei Ebenen zugeordnet.

Tag 10 · Do 24.09. · Kommunikationspolitik I

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Niemand kennt Kettelbach – Werbung oder Public Relations?

Der Weg zum Kunden steht. Jetzt fragt der Fachhandel: „Wer sorgt dafür, dass die Leute wissen, was das ist – und warum sie euch trauen sollen?“ Acht Maßnahmen liegen auf dem Tisch. Die Prüfung will, dass du jede nach Ziel, Inhalt, Zielgruppe und Ausgestaltung einordnest – nie nach dem Medium.

KURSTAG10

1Kommunikationspolitik – der Oberbegriff

Kommunikationspolitik plant und steuert, wie ein Unternehmen seine Zielgruppen informiert, überzeugt und in einen Dialog einbindet.

Ziele: Bekanntheit · Information · Vertrauen und Image · Kaufunterstützung · Kundenbindung.

Instrumente: Werbung, Public Relations, Messen, Sponsoring, Product Placement – und der Aktionspreis am Regal, der erst an Tag 11 seinen Namen bekommt (Verkaufsförderung).

Zielgruppebestimmen
Botschaftund Nutzen formulieren
Instrumentauswählen
Zeit, Budgetfestlegen
Wirkungkontrollieren

Erst wer und was, dann womit, dann wann und wie viel, zuletzt die Kontrolle. Nicht das Medium entscheidet über den Begriff, sondern Ziel, Inhalt, Beziehung und Ausgestaltung.

2Public Relations und Werbung

Public Relations

  • geplante Kommunikation mit Öffentlichkeiten: Presse, Region, Verbände, Mitarbeitende
  • spricht über das Unternehmen: Verhalten, Verantwortung, Verlässlichkeit
  • Ziel: Information, Verständnis, Vertrauen, Reputation
  • der Bericht wird nicht bezahlt; Redaktionen entscheiden
  • wirkt langfristig auf Beziehungen
  • Kettelbach: Pressegespräch zu Reparierbarkeit und Ersatzteilversorgung

Werbung

  • planmäßig, bezahlt, überwiegend unpersönlich
  • spricht über das Angebot und seinen Nutzen
  • Ziel: bekannt machen, informieren, Nutzen zeigen, Kauf unterstützen
  • Bild und Text in der Hand des Unternehmens
  • ein Werbemittel spricht viele an
  • Kettelbach: bezahlter Instagram-Post mit Tierhaar-Szene und Vorführ-Link
Absender, BezahlungZahlt Kettelbach – und bestimmt es die Aussage?
InhaltUnternehmen und Vertrauen oder Angebot und Nutzen?
ZielgruppeÖffentlichkeit oder Markt?
WirkungBeziehung, Bekanntheit, Kauf – oder Verkaufsimpuls?
Begrifferst jetzt

Ein Zeitungsbericht nach dem Pressegespräch ist Public Relations; eine bezahlte Anzeige in derselben Zeitung ist Werbung – auch wenn sie das Unternehmen zeigt. Jeder Bericht = Werbung? Falsch. PR = kostenlose Werbung? Falsch.

3Corporate Identity – mehr als das Logo

Corporate DesignsichtbarLogo, Farben, Typografie, Verpackung, Fahrzeuge
Corporate Communicationhörbar, lesbarHotline, Website und Außendienst nennen dieselbe Lieferzeit
Corporate BehaviorerlebbarReklamation in einem Werktag beantwortet, Zusagen gehalten
Corporate Culturevon innenFehler offen besprechen und in Verbesserung überführen

Design macht Identität sichtbar, ersetzt aber weder Verhalten noch Kommunikation noch Kultur. Drei verschiedene Lieferzeiten sind ein Bruch – trotz neuem Logo.

4Messe und Sponsoring

Messe = Ort für persönliche Markt- und Geschäftskontakte: vorführen, informieren, beobachten, verhandeln. Fachmesse erreicht Einkäufer des Handels, Publikumsmesse die Tierhaushalte.

Sponsoring = Unterstützung von Personen, Organisationen oder Ereignissen gegen vereinbarte Kommunikationsleistung (Partnerkennzeichnung, Vorführung). Ohne Gegenleistung: Spende.

ZielHändler gewinnen? Bekanntheit?
Zielgruppewer kommt wirklich?
NutzenKontakte, Sympathie
RisikoKosten ohne Kontakte, falsche Zielgruppe

Viele Besucher sind kein Ziel. Sponsoring braucht eine vereinbarte Gegenleistung.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 7 Teil 1 (K00, K01, K02, K05, K08) · Tag 10 UE 1–3Vorderseite · Werbemittel, AIDA, Guerilla: Rückseite

Das Blatt · Tag 10 · Rückseite

Werbemittel, Werbeträger, AIDA – und warum Aufmerksamkeit kein Erfolg ist

„Wir machen ein Video“ ist Schritt 3, nicht Schritt 1. Instagram ist kein Werbemittel. Und der Satz über den sauberen Boden am Abend ist keine Information – drei Stellen, an denen die Prüfung genau hinsieht.

KURSTAG10

5Ziele der Werbung, Werbemittel und Werbeträger

Ziele: Aufmerksamkeit und Bekanntheit · Information · Nutzen verdeutlichen · Positionierung · Kaufunterstützung.

Aufgaben in Reihenfolge: 1 Werbeziel und Zielgruppe (400 Vorführanmeldungen · Tierhaushalte) → 2 Botschaft (nimmt Tierhaare auf, ohne sich zu verwickeln) → 3 Werbemittel (Video) → 4 Werbeträger (Netzwerk, Bildschirm am Regal) → 5 Streuzeit und Budget (bis Mitte November) → 6 Erfolgskontrolle (Anmeldungen zählen).

„Wir machen ein Video“ ist Schritt 3, nicht Schritt 1. Zuerst wer und was.

Werbemittel (Botschaft)Werbeträger (Weg)
AnzeigeFachzeitschrift für Hundehalter
30-Sekunden-Videosoziales Netzwerk · Bildschirm am Regal
PlakatAußenfläche vor der Tierklinik
ProspektBeilage im Paket
Banner · Radiospot · KinospotHändler-Website · Radiosender · Kino

Auswahl nach sechs Kriterien: Zielgruppe · Ziel · Reichweite · Kontaktqualität · Kosten · Gestaltungsmöglichkeit. Nie nach Geschmack. Reichweite ohne Zielgruppe ist Streuverlust.

Das Werbemittel ist die gestaltete Botschaft. Der Werbeträger bringt sie zur Zielgruppe. Für „Anmeldung im Fachhandel“ schlägt der Bildschirm am Regal (Kontaktqualität, Kosten) den Kinospot (Reichweite).

6AIDA – vier Wirkstufen, ein Prüfmodell

AttentionKatze auf dem Sofa InterestBürste, verwickelt nicht Desireabends sauberer Boden ActionTermin sichern, QR-Code

Desire ist nicht Information. „Der Akku hält 120 Minuten“ = Interest. „Nie wieder abends saugen müssen“ = Desire – der Wunsch nach dem Nutzen im eigenen Leben.

AIDA prüft, ob ein Werbemittel alle Stufen bis zur Handlung enthält. Es garantiert nicht, dass jede Person sie durchläuft.

7Guerilla-Marketing und Product Placement

Guerilla-Marketing = ungewöhnliche, überraschende Inszenierung mit begrenztem Mitteleinsatz. Kettelbach: begehbarer Tierhaar-Teppich in der Fußgängerzone, ein Roboter zieht eine saubere Spur.

Vorher prüfen: Zielgruppe vor Ort? Aufmerksamkeit → Handlung (Schild mit Händler und Termin)? Ort erlaubt, Aktion akzeptiert? Auswertung geplant?

Product Placement = erkennbare, vereinbarte Einbindung eines Produkts in Medieninhalte. Kettelbach: der Roboter fährt in der Wohn-Sendung durchs Wohnzimmer. Keine neutrale redaktionelle Empfehlung – ein Test ohne Absprache wäre eine.

Große Aufmerksamkeit ist nicht automatisch Werbeerfolg. Jede Maßnahme braucht Zielgruppe, Ziel, nachvollziehbare Wirkung und ein benanntes Risiko.

8Prüfungsfallen · Aufgabentyp · Selbstcheck

  1. Post und Pressegespräch beide „Werbung“ nennen; Imageanzeige als PR.
  2. Aktionspreis als Werbung oder PR statt „eigenes Instrument, Tag 11“.
  3. Logo = Identität; Sponsoring mit Gegenleistung „Spende“ nennen.
  4. Instagram als Werbemittel; Auswahl nach Geschmack statt Kriterien.
  5. Desire = Information; „alle haben hingeschaut“ = Erfolg.
  • „Werbung oder Public Relations? Begründen Sie.“bezahlt? gestaltet? Unternehmen/Angebot?
  • „Ordnen Sie den vier Bestandteilen der Identität zu.“sehen · hören · erleben · Werte
  • „Werbemittel und Werbeträger, Auswahl begründen.“Botschaft ↔ Weg + zwei Kriterien
  • „Ordnen Sie die Anzeige den AIDA-Stufen zu.“Blick · Angebot · Wunsch · Handlung
  • Acht Maßnahmen mit Merkmal zugeordnet · Anzeige in AIDA zerlegt · Empfehlung mit Risiko.

Tag 11 · Fr 25.09. · Kommunikationspolitik II und Prüfungssicherung

Das Blatt · Prüfungswissen Marketing

Aus der Liste wird ein Werbeplan – und der Aktionspreis bekommt seinen Namen

Botschaft, Werbemittel, Werbeträger – das Blatt „Werbeplan Herbst“ hat drei von neun Zeilen. Die Prüfung will alle neun, einen begrenzten Verkaufsimpuls, der Verkaufsförderung heißt, und vier Prüffragen, bevor irgendetwas veröffentlicht wird.

KURSTAG11

1Der vollständige Werbeplan – neun Bestandteile

BestandteilFrageKettelbach · Werbeplan Herbst
AusgangslageWelches Problem, welche Marktchance?Roboter im Fachhandel, Zielgruppe kennt Kettelbach nicht
ZielgruppeWen erreichen?Tierhaushalte in Norddeutschland
WerbezielWas soll sich prüfbar verändert haben?400 Vorführanmeldungen beim Fachhandel bis 15. November
BotschaftWelcher überprüfbare Nutzen?„Nimmt Tierhaare auf, ohne sich zu verwickeln – und wischt danach den Boden.“
BudgetWelcher Rahmen?12.000,00 €
ZeitraumWann, wie lange?1. Oktober bis 15. November
WerbemittelWelche gestaltete Botschaft?Video, Anzeige, Prospekt
WerbeträgerWelches Medium, welcher Ort?Netzwerk 6.000 € · Fachzeitschrift 4.000 € · Bildschirm am Regal 2.000 € · Paketbeilage
ErfolgskontrolleWoran wird gemessen?Anmeldungen je Werbeträger (Ziel 400) · Kosten je Anmeldung (Ziel 30,00 €)

Einzelmaßnahmen erst nach Ausgangslage, Zielgruppe und Werbeziel. Ein Ziel ist prüfbar: Menge, Ort, Termin – „bekannter werden“ ist ein Wunsch. Die Kontrolle wird vorher festgelegt. Budget und Zeitraum kommen aus dem Fall.

2Verkaufsförderung – der begrenzte Impuls

Verkaufsförderung (Sales Promotion) umfasst zeitlich oder sachlich begrenzte Maßnahmen, die den Verkauf beim Außendienst, Handel oder Endkunden unmittelbar unterstützen.

Außendienstwer verkauftPrämie je Vorführung, Vorführgerät
Handelwo verkauft wirdHändlerschulung, Display, Vorführtag
Endkundenwer kauftWarenprobe, Zugabe, Aktionspreis

Häufige Preisaktionen schwächen Marge und Preiswahrnehmung – Verkaufsförderung wirkt, weil sie begrenzt ist. Sie braucht Ziel, Zeitraum und Kontrolle.

3Vier Instrumente – keins ersetzt das andere

baut Aufmerksamkeit und Wirkung auf – bezahlt, über das AngebotWerbung
Vertrauen, Verständnis, Beziehungen zu ÖffentlichkeitenPublic Relations
führt das individuelle Verkaufsgesprächpersönlicher Verkauf
zusätzlicher, begrenzter VerkaufsimpulsVerkaufsförderung

Der Aktionspreis ist keine Werbung, die Händlerschulung keine PR, die Vorführung durch den Handelsvertreter keine Verkaufsförderung – wohl aber die Prämie, die ihn zu mehr Vorführungen bringt.

4Vier Prüffragen vor jeder Veröffentlichung

Wahr und nachprüfbar?„100 % aller Tierhaare – besser als jeder andere“Beleg durch Test – sonst auf das Belegbare zurückführen
Als Werbung erkennbar?Wohn-Sendung ohne Hinweis auf die Vereinbarungvereinbarte Einbindung kennzeichnen
Persönlichkeits- und Bildrechte?Kundinnenfoto aus der Vorführung, nicht gefragtEinwilligung für genau diese Verwendung – sonst nicht verwenden
Datenschutz?300 Anmeldeadressen für den NewsletterZweck war der Vorführtermin – Newsletter braucht eigene Einwilligung

Nicht behaupten, was nicht belegt ist. Werbung kenntlich machen. Personen und Daten nur auf geklärter Grundlage. Keine Paragraphen ohne geprüfte Quelle – bei Unsicherheit vor Veröffentlichung fachlich prüfen lassen. Der Post verliert nichts von seiner Wirkung, nur das Risiko.

Grundlage: BUEMA Prüfungsunterlagen Marketing · Thema 7 Teil 2 (K06, K07) · Tag 11 UE 1–4Vorderseite · Erfolgskontrolle und Generalprobe: Rückseite

Das Blatt · Tag 11 · Rückseite

300 statt 400 – erst die Ursache, dann die Maßnahme

„Wir brauchen mehr Budget“ ist der Satz, der in der Prüfung Punkte kostet. Zwischen Abweichung und Maßnahme steht immer die Ursache. Und die Generalprobe zeigt, ob Rabatt vor Skonto, Rechtsstellung vor Begriff und Ziel vor Maßnahme sitzen.

KURSTAG11

5Erfolgskontrolle als Kreislauf

Ziel400 Anmeldungen bis 15. November
ZielkennzahlAnmeldungen · Kosten je Anmeldung (30,00 €)
Ist-Wert300 Anmeldungen · 40,00 €
Abweichung−100 (−25 %) · +10,00 €
UrsacheAnzeige zu spät? Bildschirme fehlen? Zielgruppe zu weit?
Maßnahmeerst jetzt: umschichten, neu gestalten, Zeitraum
WerbeträgerBudgetAnmeldungen€ je Anmeldung
soziales Netzwerk6.000 €12050,00 €
Fachzeitschrift4.000 €5080,00 €
Bildschirm am Regal2.000 €13015,38 €
gesamt12.000 €30040,00 €

Kosten je Anmeldung = Budget ÷ Anmeldungen. Abweichung = Ist − Ziel. Typische Fehlergebnisse: +100 (Vorzeichen) · 300 ÷ 12.000 (Bruch verdreht) · 30,00 € als Ist-Wert (das ist der Zielwert).

Kennzahl aus dem Ziel ableiten: Anmeldungen → Anzahl Anmeldungen, nicht Klicks · Bekanntheit → Reichweite in der Zielgruppe · Verkauf → Bestellungen · Effizienz → Kosten je Reaktion. Aufwand (Besuche, Beiträge) ist kein Ergebnis.

Ohne vorher festgelegtes Ziel keine belastbare Kontrolle. Eine Abweichung führt zuerst zur Ursachenprüfung und nicht automatisch zu mehr Budget – der Bildschirm am Regal war am wirksamsten, die Fachzeitschrift am teuersten.

6Die vollständige Kommunikationsentscheidung

Fallinformation → Ziel und Zielgruppe → Maßnahme mit Werbemittel und Werbeträger → rechtliche Prüffragen → erwartete Wirkung → Risiko → Kontrolle mit Kennzahl und Zielwert.

„Weil die Zielgruppe im Fachhandel steht und der Bildschirm am Regal mit 15,38 € je Anmeldung am wirksamsten war, setzt Kettelbach das Video auf allen Regalbildschirmen ein und gestaltet die Anzeige mit direkter Anmeldung neu. Aussagen belegbar, Einbindung gekennzeichnet, Fotos nur mit Einwilligung. Erwartete Wirkung: 400 Anmeldungen bei höchstens 30,00 €. Risiko: Bildschirme nicht rechtzeitig installiert – vorher prüfen. Kontrolle: Anmeldungen je Werbeträger, wöchentlich.“

7Generalprobe – die Zahlen, die sitzen müssen

  • A20 × 600 € → −10 % Rabatt → Zielerlös10.800,00 €
  • −2 % Skonto vom Zielerlös → tatsächlicher Erlös10.584,00 €
  • ÷ 20 = 529,20 € − Selbstkosten 420 € = 109,20 € × 202.184,00 €
  • B48.000 + 0,02 × U = 0,08 × U → U800.000,00 €
  • bei 600.000 €: 60.000 gegen 48.000 €Handelsvertreter
  • C12.000 ÷ 300 gegen 12.000 ÷ 40040,00 gegen 30,00 €

Rabatt vor Skonto · vollständige Selbstkosten = kalkulierter Gewinn · Rechtsstellung vor Begriff · Provisionssätze subtrahieren · Ursache vor Maßnahme.

8Fehlerauswertung · Aufgabentyp · Selbstcheck

  • Begriffsabgrenzung (Werbung/PR, Kontrolle/Sicherung, Verkauf/Vertrieb/Absatz)Blatt des Tages · Übungstool
  • Bezugsgröße, Rechenreihenfolge, unvollständiger RechenwegRechentrainer Tag 7 · Kostenwaage Tag 9
  • fehlende Fallinformation, Maßnahme ohne ZielBegründungsketten Tag 7, 9, 11
  • fehlende Prüffrage, ungeeignete KennzahlTag 11 UE 4 und UE 5
  • „Ergänzen Sie den Werbeplan.“neun Bestandteile, Zahlen aus dem Fall
  • „Ordnen Sie zu: Werbung, PR, persönlicher Verkauf, Verkaufsförderung.“begrenzter Impuls am Verkauf?
  • „Welche rechtlichen Fragen sind zu prüfen?“vier Prüffragen, was zu klären ist
  • „Beurteilen Sie die Erfolgskontrolle.“Ziel · Kennzahl · Ist · Abweichung · Ursache · Maßnahme
  • Generalprobe bearbeitet, Fehler einer Kategorie zugeordnet, erste Nacharbeit notiert.